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31/05/2016

Rückkehrer-Porträt: Juliane Zindler aus Lauchhammer

Juliane Zindler ist in Lauchhammer aufgewachsen und weiß schon früh, was sie später einmal machen möchte Nach dem Abitur 2008 verlässt sie ihre Heimatstadt, um in Halle/Saale Pharmazie zu studieren. Wegbleiben wollte sie allerdings nie. Sie kehrt nach Lauchhammer zurück und übernimmt die Sonnen-Apotheke als Filialleiterin. Dreh- und Angelpunkt dabei: Ihre Familie.

Welche Motive gab es für das Verlassen der Heimatregion?
Bereits in der neunten Klasse entschied Juliane Zindler, dass sie Apothekerin werden will. Der Wunsch reifte im Rahmen eines obligatorischen Schülerpraktikums, das sie in einer Apotheke im Nachbarort Schwarzheide absolvierte. „Für mich war klar, dass ich Apothekerin werden will, und dazu muss ich studieren!“ Seit ihrem Schülerpraktikum arbeitete sie zielgerichtet darauf hin, sich diesen Wunsch in ihrer Heimatstadt zu erfüllen. Für das Pharmaziestudium ging sie dafür zunächst für fünf Jahre nach Halle/Saale. Aber nicht, um wegzubleiben, sondern um wieder zu kommen. Es war ihr wichtig, einen Studienplatz zu finden, der nicht allzu weit entfernt ist: „Ich wollte möglichst nah an der Heimat bleiben, um während des Studiums den Kontakt zu meinen Eltern und meinen Freunden halten zu können.“

Wie gelang die Rückkehr?
Auch wenn Juliane Zindler in Halle schnell Anschluss fand, fuhr sie regelmäßig nach Hause. Die Verbindung zu ihrem ehemaligen Praktikumsgeber ließ sie ebenfalls nicht abreißen. Er ermöglicht es ihr auch, ihre Famulatur, die Bestandteil des Grundstudiums ist, in Lauchhammer und Schwarzheide zu absolvieren. Alles Weitere hat sich entwickelt: „Ich habe in den Semesterferien immer wieder einige Wochen hier gearbeitet. So ergab es sich dann, dass ich hier auch mein praktisches Jahr machen konnte.“ Innerhalb des Jahres konnte Juliane Zindler grundlegende Erfahrungen in den vier verschiedenen Niederlassungen des Apothekenverbundes in Schwarzheide, Lauchhammer und Senftenberg sammeln. Mit 25 Jahren wurde ihr in Lauchhammer der direkte Berufseinstieg als Filialleiterin angeboten. Zunächst als Elternzeitvertretung, schließlich unbefristet. Schnell konnte sich die Pharmazeutin in ihren Beruf einarbeiten. Der vertraute Umgang mit den Kunden und das familiäre Arbeitsklima, haben Juliane Zindler dabei geholfen. Ihre berufliche Rückkehr, von langer Hand geplant, lief damit reibungslos und ermöglichte ihr eine schnelle Karriere in ihrem Heimatort Lauchhammer.

Welche Rolle spielte die Familie bei der Rückkehr?
Die Familie war und ist für Juliane Zindler der Grund für ihre Rückkehr nach Lauchhammer. Denn es war ihre Familie, die sie intensiv bei ihrem Vorhaben unterstützt hat. „Ich musste mich bei meiner Rückkehr praktisch um nichts kümmern. Es gab verschiedene Möglichkeiten für mich, hier erst einmal wieder unterzukommen.“ Ihre erste Anlaufstelle war ihr Elternhaus.  Darüber hinaus lebte auch Juliane Zindlers Freund in Lauchhhamer. Die beiden sind schon seit Schulzeiten ein Paar. Er hat eine Ausbildung zum staatlich geprüften Techniker für Maschinenbautechnik am See-Campus abgeschlossen und bei TAKRAF Tenova einen Arbeitsplatz gefunden. Inzwischen haben sich die beiden eine gemeinsame Wohnung in Lauchhammer genommen. Ihrer privaten und beruflichen Zukunft blickt Juliane Zindler überaus optimistisch entgegen.

Was können die Kommunen tun, um Rückkehr und Zuzug zu erleichtern?
Juliane Zindler hat ihre Rückkehr lange geplant und damit beruflich und privat den direkten Anschluss geschafft. „Alle haben mir den Rücken frei gehalten, und die Bedingungen waren optimal für mich.“ Auch wenn sich viel getan hat in Lauchhammer in den letzten Jahren, merke ich jedoch, dass es mehr Freizeitmöglichkeiten für junge Menschen geben könnte.“ Dafür fährt sie dann oft in die Städte der näheren Umgebung, zum Beispiel nach Senftenberg oder auch nach Dresden.

Was bedeutet Heimat für Sie?
Als Familienmensch bedeutet für Juliane Zindler Heimat vor allem, die Familie um sich zu haben. Darüber hinaus ist Heimat aber auch die Vertrautheit mit den Menschen, mit denen sie täglich zu tun hat. „Zu meinen Kunden, die mich zum Teil schon als Kind kannten, habe ich ein sehr vertrauensvolles Verhältnis, was das Arbeiten sehr angenehm macht und an einem anderen Standort so nicht möglich wäre.“

 

Interview und Text: Ariane Böttcher
Foto: Steffanie Fiebrig