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27/06/2016

Rückkehrer-Portrait: Stephan Hering aus Senftenberg

Stephan Hering ist Wahllausitzer. In der Nähe von Jüterbog aufgewachsen, geht er 1999 nach Süddeutschland, weil er in Brandenburg nach seiner Ausbildung keine Perspektiven findet. Nach mehr als zehn Jahren beruflicher Entwicklungsmöglichkeiten, aber auch dauerhafter Wochenendbeziehung, entscheidet er sich 2010 für ein Leben mit der Familie in der Lausitz.

Welche Motive gab es für das Verlassen der Heimatregion?
Eigentlich wollte Stephan Hering seine Heimatregion Teltow-Fläming nie verlassen. Nach seiner Ausbildung zum Kaufmann für Bürokommunikation in einer Hausverwaltung in Berlin suchte er dort eine Arbeitsmöglichkeit – ohne Erfolg. Über eine Zeitungsanzeige landet er 1999 in Gauting. Die Gemeinde im Landkreis Starnberg ist Teil des wachsenden und prosperierenden Umlands von München. Dort findet er eine Anstellung in der Kämmerei der Gemeindeverwaltung, gedacht als Berufseinstieg für maximal zwei Jahre. Aus zwei Jahren wurden am Ende zehn. Stephan Hering eröffnen sich berufliche Perspektiven, arbeitet in verschiedenen Positionen in der Objekt- und Finanzverwaltung. „Ich habe meinen Weg gemacht, war am Ende stellvertretender Amtsleiter. Ich habe auch die Chance genutzt und habe berufsbegleitend einen zweiten Berufsabschluss zum Verwaltungsfachwirt gemacht.“

Welche Motive gab es für den Umzug in die Lausitz?
Beruflich war Stephan Hering angekommen in Oberbayern. Im Privaten hingegen fehlten ihm 650 Kilometer zum Glück. Seine Partnerin, die er bereits vor seinem Wegzug nach Gauting kennengelernt hatte, ist fest in Schwarzheide verwurzelt. Für zehn lange Jahre hieß die Lösung also Fernbeziehung mit wöchentlichen Fahrten von Süddeutschland nach Südbrandenburg und zurück. Die Belastungen des Pendelns auf solch große Distanz hat er stillschweigend akzeptiert. „Das hat man ohne weiteres so gemacht, auch weil man genügend Leute kannte, die dieses Schicksal geteilt haben. Das habe ich erst realisiert, als ich wieder hier war.“

Der Beziehung zu seiner Partnerin hat die Entfernung keinen Abbruch getan, die beiden haben geheiratet und zwei Kinder bekommen. „Irgendwann war die Schmerzgrenze erreicht, und es hat mich nicht mehr in Bayern gehalten. Ich wollte meiner Familie nahe sein und meine Kinder aufwachsen sehen.“ Weil sich auch die Wohnsituation in Gauting verschlechterte und am Arbeitsplatz Konflikte das Klima trübten, reifte 2010 der Entschluss für den Umzug zur Familie nach Schwarzheide. Binnen drei Monaten wurde das Vorhaben in die Tat umgesetzt.

Wie gelang die Rückkehr?
Bei der Planung der Rückkehr stand für Stephan Hering die Suche nach einem Arbeitsplatz und damit die finanzielle Absicherung der Familie im Vordergrund. Das zweite Bewerbungsgespräch war auch gleich ein Volltreffer. Seitdem arbeitet er als Sachbearbeiter Finanzen bei der Stadt Senftenberg. „Das ging durch Glück und Zufall doch relativ schnell, den Weg hierher zurück zu finden.“ Auch wenn sich die Strukturen in den Stadtverwaltungen ähnlich sind, beruflich musste er sich umstellen: andere Verantwortungsbereiche und finanzielle Einbußen. Als Finanzfachmann kann Stephan Hering allerdings mit Zahlen umgehen: „Man muss gegenrechnen, dass ich früher zwei Tankfüllungen an jedem Wochenende auf der Autobahn verfahren habe, jetzt tanke ich einmal im Monat. Auch die Miete für die Zweitwohnung belastet mich nicht mehr.“

Wer hat Sie unterstützt?
Der Umzug von Bayern nach Brandenburg hat für Stephan Hering relativ wenig institutionelle Unterstützung vorausgesetzt. Das Wohnen und die Betreuung der Kinder waren durch seine Frau und ihre Familie bereits geregelt. Berufstätigkeit und Familie kann er ohne Mühen miteinander verbinden, hier profitiert er von den vielfältigen und ausreichend verfügbaren Betreuungsangeboten in der Region. „Man bekommt auch für Einjährige recht unkompliziert einen Platz, das wäre in Gauting praktisch unmöglich gewesen. Und wenn man einen Platz bekommen hätte, dann wäre der kaum bezahlbar gewesen. Von dem pädagogischen Konzept in der Kita meiner Kindern bin ich begeistert, die Kinder werden dort gut gefördert.“ Entwicklungsbedarf sieht er auf dem Arbeitsmarkt. Das Lohnniveau und die Arbeitszeiten müssten sich weiter angleichen, damit die Region für mehr Rückkehrer und Zuzügler attraktiv wird.

Stephan Hering hadert nicht mit seiner Entscheidung, er ist zufrieden mit seinem neuen Leben in der Lausitz. „So wie es ist, ist es gut. Es ist einfach schön, wenn man frühmorgens aufsteht, seine Familie sehen und die Kinder beim Aufwachsen begleiten kann.“

 

Interview und Text: Michael Hacker
Foto: Steffanie Fiebrig