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08/08/2016

Rückkehrer-Portrait: Katja Kling aus Schwarzheide

Katja Kling ist ausgebildete Köchin. Wegen der fehlenden beruflichen Perspektive verlässt sie 2000 gemeinsam mit ihrem Mann ihre Heimatstadt Schwarzheide. Sie ziehen nach Nürnberg und finden dort sofort Arbeit. Als jedoch die Kinder geboren werden, ist schnell klar, dass sich Beruf und Familie dort nicht ohne Weiteres vereinbaren lassen. Für das Ehepaar Kling gibt es keinen Grund, länger in Bayern zu bleiben. Zurück in Schwarzheide bauen sie sich mit viel Fleiß und Durchhaltevermögen ihre eigene Existenz auf.

Katja Kling absolvierte nach der Schule eine Ausbildung als Köchin. Auch wenn ihr der Beruf lag, und sie sich in ihrer Kreativität als Köchin voll ausleben konnte, machte sie die Ausbildung vor allem deshalb, weil ihr der Ausbildungsmarkt zum damaligen Zeitpunkt wenig Alternativen bot. Um nach dem Abschluss beruflich schnell Fuß zu fassen und finanziell endlich auf eigenen Beinen zu stehen, ging sie mit ihrem Mann Henry Kling nach Nürnberg. Ihre berufliche Zukunft sahen beide zunächst nicht in Schwarzheide. Eine Abhängigkeit vom Arbeitsamt kam für sie nicht in Frage. Die Wegzugsprämie in Höhe von jeweils 2.500 Euro, die damals noch gezahlt wurde, machte ihnen den Entschluss leichter. Das Paar verließ Schwarzheide — jedoch mit dem Wunsch wiederzukehren, wenn sich die Gelegenheit  bietet.

Katja Kling fand in Nürnberg auf Anhieb eine gut bezahlte Stelle als Köchin im Opernhaus, und auch ihr Mann kann sich in seiner Funktion als Betriebsleiter behaupten. Beide werden auf Grund ihrer guten Arbeit geschätzt und respektiert. Später wechselt Katja Kling als Alleinköchin in eine private Wirtschaft. Bereits nach der Geburt ihres ersten Sohnes wird jedoch klar, dass die Arbeitszeiten bis spät in den Abend mit dem Familienleben schwer in Einklang zu bringen sind. Eine Betreuung in einer Tageseinrichtung ist für Kinder unter drei Jahren in Franken nicht üblich. „Mein gesamtes Gehalt ist für die Tagesmutter draufgegangen, aber es war mir wichtig, dass ich wieder arbeite“. Die Situation spitzt sich zu, als das zweite Kind geboren wird. „Insgesamt haben wir das einige Jahre durchgehalten. Es hat uns als Familie aber nicht nur emotional belastet, sondern auch finanziell.“ Damit war für beide klar, dass es keinen Grund mehr gibt, in Nürnberg zu bleiben. Nach sieben Jahren verlassen sie Bayern in Richtung Heimat.

Wie gelang der Start nach der Rückkehr?
Anfang 2008 ist es dann schließlich soweit. Katja Kling kommt mit ihrer Familie zurück nach Schwarzheide. „Wir fühlten uns sofort wieder wohl hier. Selbst auf unsere Kinder übertrug sich das neue, positive Lebensgefühl.“ Der berufliche Wiedereinstieg in Schwarzheide gelingt nach den Jahren der Abwesenheit auch auf Anhieb. Katja Kling fängt zunächst mit einer befristeten Stelle als Küchenhilfe im Klinikum an. Bei Henry Kling klappt der berufliche Wiedereinstieg über die Aktivierung alter Kontakte. Die Unterbringung der Kinder in der Tageseinrichtung funktioniert ebenfalls problemlos, ist innerhalb weniger Tage erledigt und entlastet das Ehepaar spürbar. Die langen Öffnungszeiten ermöglichen beiden ihre Berufstätigkeit. „Mit der unkomplizierten Unterbringung unserer Kinder wurden wir in unserer Entscheidung nachträglich bestätigt.“

Wie kam es zur Selbstständigkeit?
Als sich 2010 das dritte Kind ankündigt, stellt sich für Katja Kling die Frage nach der beruflichen Perspektive neu. Sie möchte sich beruflich verwirklichen, gleichzeitig aber auch für ihre Kinder da sein. Den Wunsch nach etwas „Eigenem“ hegt sie schon länger. Aus den Erfahrungen, die sie mitbringt, und der Idee, in der Region etwas Neues anzubieten, entsteht schließlich ihr Catering-Service. „Auch die anderen Catering-Anbieter hier sind gut. Aber ich wollte mehr als nur den Hackepeter-Igel, ich wollte abwechslungsreiche und frische Küche anbieten.“ Katja Kling wagt den Schritt und macht sich selbstständig. Der Cateringservice kommt so gut an, dass aus ihrer anfänglichen Teilzeitselbstständigkeit innerhalb von drei Monaten eine Vollzeittätigkeit wird und sie schließlich ihren Mann einstellt. Mittlerweile versorgt ihr Cateringservice vier Kindertagesstätten und liefert zusätzlich bis zu 40 Buffets pro Monat aus. Zu Höchstzeiten beschäftigte das Ehepaar Kling bis zu 6 Mitarbeiter und versorgte den Chemie-Konzern BASF mit frisch zubereiteten Mahlzeiten.

Welche Rolle spielte die Familie bei Ihrer Entscheidung zur Rückkehr?
Die Familie spielte bei den Klings immer eine wichtige Rolle. „Zu der Zeit in Nürnberg sind wir regelmäßig einmal im Monat nach Hause gefahren.“ Noch wichtiger wurden die eigenen Eltern, als sich der Nachwuchs ankündigte. Die Großeltern fehlten einfach vor Ort, nicht nur für die Betreuung der Kinder, sondern auch als emotionale Unterstützung. Nach der Rückkehr stand die Familie sofort zur Verfügung. Katja Kling konnte mit ihrer Familie in das Haus ihrer Eltern einziehen. Das Zusammenleben läuft so harmonisch, dass das Haus einfach erweitert wurde und die Klings dort wohnen geblieben sind.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?
Nach dem überaus erfolgreichen Start ihres Unternehmens möchte Katja Kling ihr Angebot weiter ausbauen. Erfahrungen dafür konnte sie während ihrer Zeit in Nürnberg, aber auch in Schwarzheide genügend sammeln. Die Klings haben sich die Arbeit im Unternehmen aufgeteilt. Während Katja Kling eher in der Küche zu finden ist und an den Produkten arbeitet, hält ihr Mann Henry ihr den Rücken frei und kümmert sich um die Kunden. Als nächstes Projekt stehen der Neubau und die Eröffnung eines eigenen Cafés in Schwarzheide an, in dem auch der Cateringservice seinen Platz finden soll. Die Klings haben für ihr Fortkommen viel Energie und Engagement aufgebracht. Die Bedingungen und die Unterstützung, die beide hier in der Region vorgefunden haben, waren ausschlaggebend, dass sie sich in ihrer Heimat eine eigene Existenz für ihre gesamte Familie aufbauen konnten.

 

Text: Ariane Böttcher
Foto: Stefanie Fiebrig